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Positionspapier zum Aldi-Neubau

Planungen an den Klimawandel anpassen

In seiner letzten (virtuellen) Sitzung des Jahres hat der SPD-Ortsverein Marten erneut die Neubau-Planungen von Aldi an der Schulte-Heuthaus-Straße in Marten diskutiert. Zuletzt wurden mehrfach Stimmen in der Öffentlichkeit laut, dass die Planungen für den Neubau überarbeitet werden müssten. In ein paar Punkten sehen das die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Marten ähnlich. In ihrer Sitzung beschlossen sie daher das folgende Positionspapier.

Positionspapier des SPD-Ortsvereins Marten zum Bebauungsplan Lü 188 – Neubau des Aldi-Marktes

Der SPD-Ortsverein Marten hat von Anfang an den Neubau des Aldi-Marktes an der Schulte-Heuthaus-Straße begrüßt. Ein moderner Discounter-Supermarkt stärkt den Einzelhandelsstandort Marten und trägt dazu bei, dass Kaufkraft nicht in den Indupark oder benachbarte Stadtteile abfließt, sondern in Marten verbleibt. Das trägt dazu bei, dass Martener*innen ohne Auto Zugang zu einem attraktiven Nahversorgungsangebot haben.

Es ist eine städtebauliche Verbesserung, dass das Supermarkt-Gebäude zukünftig wieder – wie es bereits vor 2009 der Fall war – direkt an der Schulte-Heuthaus-Straße liegt. Das erleichtert den Zugang für Fußgänger*innen, da sie das Grundstück nicht mehr über die Parkplatz-Zufahrt betreten müssen, sondern direkten Zugang zum Supermarkt erhalten.

Aldi Sparkasse Dortmund Marten Schulte-Heuthaus-Straße

Es verdient unsere Anerkennung, dass Aldi dem Wunsch vieler Martener*innen, nachkommen wird, und in dem neuen Gebäude Räumlichkeiten für die Augenarztpraxis schafft. Dies sichert die augenärztliche Versorgung nicht nur für Marten, sondern für den gesamten Dortmunder Westen.

Auch wenn die Planungen in der jetzigen Form eine Verbesserung des Status Quo darstellen, gibt es weitere Aspekte, die in den Planungen verbessert werden sollten. Unser Ziel für Marten ist nicht eine attraktive Lösung, sondern die attraktivste Lösung, die in der Bevölkerung vor Ort eine hohe Akzeptanz genießt und den Stadtteil voran bringt.

Wir bedauern es daher sehr, dass Aldi nicht davon überzeugt werden konnte, über dem Supermarkt eine weitere Etage mit Wohnungen zu bauen. Wir sind der Meinung, dass dadurch eine wichtige Chance vergeben wurde. Gerade auf dem aktuell sehr angespannten Dortmunder Wohnungsmarkt wäre es sinnvoll gewesen, solch eine Gelegenheit zur Schaffung neuen Wohnunraums zu nutzen. Der Bau öffentlich geförderter, mietpreisgebundener Wohnungen, beispielsweise Studierendenappartements, die durch das Studierendenwerk Dortmund oder die DOGEWO21 hätten betrieben werden können, oder seniorengerechte Wohnungen für alleinstehende Senior*innen mit einem geringen Einkommen, wären ein wichtiges Zeichen im Kampf gegen Wohnungsnot gewesen. Wir bitten daher Aldi, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Der SPD-Ortsverein Marten wünscht sich zudem, dass bei dem Bau des Gebäudes dem ökologischen Nachhaltigkeitsgedanken eine höhere Bedeutung zukommt. Gerade in Marten hat sich im letzten Jahrzehnt gezeigt, mit welchen Folgen wir aufgrund des Klimawandels rechnen müssen und dass es ein Umdenken in der Stadtplanung geben muss. Deshalb bitten wir bei der weiteren Planung folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Förderung der Klimaresilienz: Der Supermarkt befindet sich am Rande des dicht bebauten und versiegelten Martener Ortskerns und zudem am Rande des historischen Bachbetts des Oespeler Baches (wir verweisen auf die Jahrtausendflut vom 26.07.2008). Das Projekt ZUKUR analysierte in den letzten Jahren den Stadtteil Marten unter den Aspekten Klimaresilienz, Klimaanpassung und ökologische Gerechtigkeit. Die Landesregierung fördert über die Ruhrkonferenz und die Offensive „Grüne Infrastruktur 2030“ derzeit Projekte, die genau diese Ziele verfolgen. Daher sollten auch auf dem Gelände des zukünftigen Aldi-Supermarktes mehr Maßnahmen umgesetzt werden, mit denen das Mikroklima verbessert wird. Wir empfehlen daher
    • die Reduzierung der Zahl der Parkplätze zugunsten von mehr unversiegelten bepflanzten Zonen,
    • den Einsatz von Rasengittersteinen auf den Parkflächen, um die Versickerung von Regenwasser zu ermöglichen (vgl. hierzu Hellweg-Baumarkt an der Borussiastr.),
    • neben der Begrünung des Daches auch eine vollständige Begrünung der Fassade, um die Aufheizung und Wärmeabstrahlung des Gebäudes zu minimieren,
    • die Zwischenspeicherung des Regenwassers bei Starkregen auf dem Grundstück und anschließender gedrosselter Abfluss, um das Hochwasserrisiko im Ortskern zu minimieren und
    • den Einsatz vor Ort produzierter, regenerativer Energie.
  • Es bietet sich an, den Neubau in Form eines Modellprojekts für nachhaltiges, klima- und umweltgerechtes Bauen im Einzelhandel umzusetzen. Das wäre neben der Aufwertung Martens vor allem ein Imagegewinn für die Einzelhandelskette Aldi und würde ggfs. den Zugang zu Fördermitteln ermöglichen. Dieses Projekt wäre prädestiniert für die Nordwärts-Kulisse.
  • Reduzierung der XXL-Parkplätze: Die Zahl der XXL-Parkplätze sollte reduziert werden und diese lediglich Menschen mit Behinderungen zur Verfügung stehen.

Diskussion 2

  1. Willy Schikorra • 07. Januar 2021 • 19:43

    Marten sollte doch froh sein, dass der Aldi jetzt größer wird. Aldi stellt seinen Parkplatz kostenlos für die Anwohner zum Parken zur Verfügung und er wird auch von denjenigen genutzt, die zur Post wollen und zum Augenarzt. Kann man damit nicht zufrieden sein? Aber nein, es soll ja noch immer mehr gemacht werden vom Aldi Konzern. Irgendwann sagt dann Aldi, dann können wir auch woanders hingehen. Ist das dann im Interesse des Vereins?

    • Martin Schmitz • 08. Januar 2021 • 8:52

      Wie wir in unserem Positionspapier schreiben – dieser Teil nimmt ungefähr die Hälfte des Papiers ein -, begrüßen wir die Planungen. Wir fordern auch nicht immer mehr, sondern dass sich die Planungen stärker an Nachhaltigkeit und den zukünftigen Herausforderungen des Städtabaus orientieren. Das ist angesichts des Klimawandels, in dem wir uns befinden, kein Fordern nach Mehr, sondern ein Appell an eine diesem Prozess angepasste Flächenentwicklung.

      Zu den Parkplätzen: in der Bürgerversammlung, in der Aldi erstmals seine Planungen vorstellte, sprach der Aldi-Vertreter davon, dass die Parkplätze zukünftig bewirtschaftet werden. Es ist ja kein öffentlicher Parkplatz. Das wird höchstwahrscheinlich heißen, dass man während des Einkaufens eine Parkscheibe auslegen muss. Der Parkplatz steht Nicht-Kunden deshalb nicht mehr zur Verfügung. Warum sollte der Parkplatz dann nicht verkleinert werden? Zieht man bereits heute die Nicht-Kunden ab, dann wird der Aldi-Parkplatz bei weitem nicht ausgelastet. Warum also nicht die Parkplatzzahl dann zugunsten nicht versiegelter Flächen verkleinern?