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Stadt entfernte Sitzbank, um Trinkerszene zu verdrängen

Bänke abbauen ist nicht die Lösung

In den letzten Monaten wurde mehrfach über den Abbau einer Sitzmauerbank an der Kreuzung Martener Straße/Steinhammerstraße in Marten berichtet, nachdem es dort zu Belästigungen durch Nutzer der Bank kam. Hierzu nimmt der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Marten Stellung:  

„Es kann nicht sein, dass wir nach und nach jede Sitzmöglichkeit im Stadtteil abbauen. Das ist definitiv die bequemste und unsinnigste Lösung. Ergebnis wird sein, dasss sich die Betroffenen einen neuen Sitzplatz im Ort suchen. Dann haben wir dort die nächste Diskussion, ob die nächste Bank abgebaut werden muss. Am Ende schadet das allen Martenern, da der Aufenthalt im öffentlichen Raum unattraktiver wird.

Die betroffene Gruppe wird dadurch jedenfalls nicht aus der Welt gezaubert. Die sitzen stattdessen an Orten, die für das Sitzen gar nicht vorgesehen sind, z.B. auf Treppenstufen von Häusereingängen, der Mauer vor dem alten Amtshaus oder auf dem Sockel des Denkmals an der Martener Straße Ecke Wischlinger Weg.

Der öffentliche Raum ist für alle da. Auch für diejenigen, die nicht dem bürgerlichen Idealbild entsprechen. Wichtig ist aber, dass sich alle an Regeln halten und nicht an Häuserwände urinieren, Müll hinterlassen, Menschen anpöbeln oder rumlärmen. In solchen Fällen rate ich jedem, der sich gestört fühlt, das Ordnungsamt oder nachts die Polizei zu verständigen. Nach unseren Informationen waren Mitarbeiter des Ordnungsamtes nach der Intervention von Anwohnern und unseres SPD-Ortsvereins vor dem Abbau der Bank verstärkt vor Ort.

Statt Bänke abzubauen, sollten wir den Menschen besser ein Angebot machen, wo sie sich treffen können, ohne dass sich andere von ihnen gestört fühlen. Warum nicht eine Bank an einem Ort, der nicht direkt an einem Wohnhaus liegt? Dieser müsste dann der Gruppe aber auch aktiv angeboten werden. Das erfordert allerdings, dass sich Fachleute der Stadt, z.B. Streetworker, vor Ort mit ihnen in Kontakt setzen und ihnen Grenzen und Kompromisse aufzeigen.“

Diskussion 2

  1. Thorsten Pohle • 07. August 2019 • 13:08

    Trinkergruppen gibt es in jedem Vorort. Trinkerräume..etc. sind kaum vorhanden. Die Stadt verdrängt die Probleme und konzentriert sich lieber auf Fixerräume.

    • Martin Schmitz • 07. August 2019 • 14:18

      Lieber Thorsten Pohle,

      es muss ja nicht direkt ein Trinkerraum sein, es würde ja schon genügen, sie an einem Platz zu tolerieren, an dem sie das, was sie jetzt tun, weiter tun können, ohne andere zu stören, nämlich sich zu treffen. Dagegen ist ja nichts auszusetzen. Problematisch wird es nur, wenn die Regeln des Zusammenlebens missachtet werden und Konflikte entstehen. Dann heißt es, einzuschreiten. Das heißt dann aber auch nicht, sie weiter zu verdrängen und das Problem dadurch nur zu verlagern.

      Mit freundlichen Grüßen
      Martin Schmitz