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Landtagvizepräsidentin Carina Gödecke besuchte ZWAR-Zentralstelle

Mobilisieren Sie ihr großes Netzwerk, um ZWAR zu retten

Großer Empfang am Montag im Alten Amtshaus in Marten. Die Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke hatte sich auf Einladung der Landtagsabgeordneten Anja Butschkau zum Besuch angemeldet. Der Theatersaal im Obergeschoss ist dann auch bis auf den letzten Platz gefüllt: Mitglieder des Vorstandes, Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Dortmunder ZWAR-Gruppen – die sogenannten Netzwerke – und mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ZWAR-Zentralstelle.

Friedhelm Sohn, kommissarischer Vorsitzender des ZWAR e.V. (vorne links), Vertreter*innen aus mehreren Dortmunder ZWAR-Gruppen und Marc Bagusch, Geschäftsführer der ZWAR-Zentralstelle (zweite Reihe, 2. von rechts) begrüßten die beiden SPD-Politikerinnen Anja Butschkau (vorne Mitte) und Carina Gödecke (vorne rechts).

Es gibt einiges zu besprechen, denn die Nöte sind groß. Ende des Jahres will die Landesregierung die Fördermittel streichen. Das sind rund 600.000 Euro. Und das hieße momentan das Aus für die ZWAR-Zentralstelle. Landesweit rund 240 Netzwerke in über 80 Kommunen mit über 10.000 Menschen, die sich hier engagieren, würden damit die große Klammer, die alles zusammenhält, verlieren.

Für die beiden Abgeordneten Grund, ihre Solidarität und Hilfsbereitschaft hier vor Ort zu verkünden. „Sie haben uns an Ihrer Seite“, macht Anja Butschkau in ihrem Eingangsstatement direkt deutlich. „Vor einigen Tagen habe ich bereits das ZWAR-Netzwerk in Brünninghausen besucht. Da habe ich von ZWAR ein ganz anderes Bild erhalten als es der Bericht von Sozialminister Karl-Josef Laumann an den Landtag abgibt.“

Der sagt nämlich aus, dass ZWAR-Netzwerke in erster Linie zusammenkommen, um ihre Freizeit zu gestalten. Das sei aber Aufgabe der Kommunen. Daher wäre eine Förderung nicht mehr im Landesinteresse. „Das zeigt mir, dass der Minister unser Konzept nicht verstanden hat“, zeigt sich Friedhelm Sohn, der kommissarische Vorsitzende des Trägervereins ZWAR e.V. verärgert.

Das ZWAR-Konzept, machte Geschäftsführer Marc Bagusch in seinem Vortrag deutlich, beruhe auf Selbstorganisation und Selbstbestimmung und erreiche dadurch eine vereins- und verbandsferne Zielgruppe älterer Menschen, die andere Angebote nicht erreichen würden. Bagusch: „Dadurch ist es auch ein kostengünstiges Instrument zur Quartiersentwicklung, das Menschen unabhängig von Bildungsabschluss und geografischer Lage erreicht.“ Hervorzuheben sei, dass ZWAR-Gruppen sich auch immer wieder zu wichtigen Unterstützungsnetzwerken entwickeln würden. „Hier ist jeder für den anderen da. Man gibt gegenseitig auf sich Acht und fragt nach, was los ist, wenn einer mal fehlt“, Bagusch weiter.

„Kein Cent der Landesmittel fließt in die Arbeit der ZWAR-Netzwerke. Das Geld ist ausschließlich für den Betrieb der ZWAR-Zentralstelle bestimmt“, entkräftet Friedhelm Sohn das Argument des Sozialministeriums. Dieses unterstütze die Kommunen bei der Gründung von neuen ZWAR-Netzwerken, stehe den Gruppen als Ansprechpartner in organisatorischen Angelegenheiten zur Verfügung, unterstütze die landesweite Vernetzung der ZWAR-Netzwerke und biete Weiterbildungen für die ZWARler*innen an. Außerdem biete die ZWAR-Zentralstelle Kommunen Beratungsleistungen im Bereich der Arbeit mit Senior*innen an. Sie sei aber nicht an der Planung und Durchführung der Aktivitäten der Gruppen vor Ort beteiligt.

Kritik gibt es vom Ministerium auch daran, dass ZWAR in den letzten Jahren die vereinbarten Ziele zu neuzugründenden Netzwerken nicht eingehalten habe. Dazu Vorstandsmitglied Uli Dettmann: „Das Ministerium spielt mit gezinkten Karten. Nach einem Umbruch in Vorstand und Geschäftsführung im Jahr 2017 werden wir die Ziele für 2018 und 2019 einhalten. Das verschweigt der Bericht an den Landtag aber.“ Hinzu sei gekommen, dass seit 2015 die sozialpolitischen Prioritäten der Kommunen nicht auf Senior*innen, sondern bei Geflüchteten lagen. Das habe Personal und finanzielle Mittel in den Kommunen gebunden, die in der Seniorenpolitik fehlten.

Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke warnte davor, die Fördermittel für ZWAR zu kürzen: „Die Landesregierung hat ihren Schwerpunkt in Richtung Pflege verschoben. Aber Pflege- und Seniorenpolitik darf man nicht gleichsetzen. Wir brauchen beides!“ Sie habe die Befürchtung, dass die Partizipation von Senior*innen auch in den Kommunen eine nachrangige Bedeutung bekommen würde, wenn sich das Land hier rausziehen würde.

Die Landtagsabgeordnete Anja Butschkau (Mitte) hat Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke (rechts) zu einer Tour durch ihren Wahlkreis, die auch in die ZWAR-Zentralstelle führte, eingeladen.

Ein solches Netzwerk wie ZWAR benötige zudem einen Überbau. „Wenn es den nicht gibt, werden viele Aktivitäten in den Gruppen einschlafen“, so Gödecke. Anja Butschkau zweifelt daran, dass man die Landesregierung allein mit guten Argumenten überzeugen könne. Was nicht in das christdemokratische Verständnis passt, werde zur Zeit abgeschafft. Butschkau: „Das haben wir im letzten Jahr beim Sozialticket gesehen. Hier knickte die Landesregierung erst nach großem öffentlichen Druck ein. Nicht anders wird das bei ZWAR sein.“

In einem waren sich alle einig. Man werde nicht kampflos aufgeben. Für dieses Jahr sei eine Kampagne geplant. Für diese hatte Carina Gödecke einen Rat: „Mobilisieren Sie ihr großes Netzwerk. Schreiben sie Briefe an ihre Abgeordneten vor Ort und organisieren sie dort Presseaktionen!“ Ein erster Schritt, so Bagusch werde eine Online-Petition sein. Man wolle zudem die Bürgermeister*innen der Kommunen mit ZWAR-Netzwerken mobilisieren.